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Konservierende Zahnheilkunde Dritter Teil – die Kariesinfiltration

Wir müssen ein Loch im Zahn nicht weiter aufziehen als es unbedingt nötig ist. Manchmal müssen wir überhaupt nicht bohren, um einen kariösen ­Defekt zu versorgen.

Autor: Dr. med. dent. Hans H. Sellmann

Bild: Fotolia

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Sicher haben sie im Fernsehen auch schon mal den einen oder anderen Werbespot zu zahnärztlichen Produkten gesehen und gedacht: „Na, ob das alles so wahr ist, was da versprochen wird?“ Sie als Insider/-in haben mehr Kenntnisse von zahnärztlichen Belangen als jemand, der nicht ihre Ausbildung (und Kenntnisse aus der täglichen Praxis) vorweisen kann. Sicher sind sie auch misstrauisch, wenn ihnen ein Patient sagt, dass man jetzt Zähne mit einem Kunststoff tränken kann, der den Zahn wiederherstellt und damit Bohren überflüssig macht. Stimmt das denn?

Forscher an der Universität Basel haben im ­Nanomaßstab zeigen können, wie sich Karies auf die ­menschlichen Zähne auswirkt. Das Dentin besteht nicht nur aus ­Mineralien, sondern auch zu einem Fünftel aus organischem Material. ­Wahrscheinlich wird dieses im Falle einer Karies nicht angegriffen. Seine Struktur ist dann, so vermutete man, der Ausgangspunkt für eine Remineralisierung. In einem frühen bis mittleren Kariesstadium bleibt ein großer Teil des kollagenen Grundgerüstes erhalten. Auf dieser Basis kann ­unter Umständen eine Reparatur des Zahnes durch die ­Infiltration von Nanopartikeln erfolgen. Hier die Fakten für sie, um in einem solchen Fall den ­Patienten beziehungsweise den Eltern der Kleinen, Rede und Antwort ­stehen zu können:

„Bei der Kariesinfiltration handelt es sich um eine vergleichsweise neue Technik, mit deren Hilfe früh erkannte, noch nicht weit fortgeschrittene kariöse Läsionen zum Stillstand gebracht werden ­können. Hierbei muss keine Kavität präpariert (kein Loch gebohrt) werden, um die initiale (beginnende) Karies (Initial­karies) der ­Therapie zugänglich zu machen. Die Behandlung wird schmerzfrei in einer Behandlungssitzung beendet.“

Diese Beschreibung finden sie (und ihre Patienten), wenn sie im Internet das Stichwort Kariesinfiltration eingeben (www.zahngesundheit-­online.com). Gerechterweise muss man jedoch sagen (und das sollten sie auch tun, um die Bohrerfeinde etwas zu bremsen), dass noch keine Langzeitergebnisse vorliegen. Ohne eine Optimierung der Mundhygienetechnik, Ernährungslenkung und regelmäßiger zahnärztlicher Kontrolle ist sie sowieso sinnlos. Ich gehe sogar soweit, dass ich Interessierten sage, ein solch aufwändiges (und das ist es vor allem bei approximalen Defekten) Verfahren sei „Perlen vor die Säue geworfen“, wenn der ­Patient nichts unternimmt, um seine Mundhy­giene, Fluoridierung, Ernährung ­(Getränke) etc. so zu ­optimieren, dass Karies, auch beginnende Karies, nicht mehr auftritt.

Ziel

Das Ziel der Kariesinfiltration ist es, die Porositäten der Schmelzkaries mit einem lichthärtenden Kunststoff (sogenannten ­Infiltranten) zu verschließen, um damit das Eindringen für karieserzeugende Säuren zu blockieren. Damit soll eine Verlangsamung oder sogar ein gänzliches Verhindern des Kariesprozesses erreicht werden.

Und das geht so:

Um feststellen zu können, ob das Verfahren der Kariesinfiltration überhaupt zur Anwendung kommen kann, benötigen wir, wenn wir den Verdacht auf das Vorliegen einer Approximalkaries ­haben, Röntgenbissflügelaufnahmen. Stellen wir auf diesen Bildern eine (kleine) Karies fest, dann gehen wir folgendermaßen vor:

  • Zähne reinigen, Kofferdam legen, Zähne separieren
  • Konditionierer (Icon-Etch) auftragen,
    2 Minuten einwirken lassen
  • 30 Sekunden mit Wasser spülen, trocknen
  • Trockner (Icon-Dry) auftragen, 30 Sekunden einwirken lassen, trocknen
  • das Infiltrantmaterial (Icon-Infiltrant) auftragen (applizieren),
    3 Minuten einwirken lassen
  • 40 Sekunden lichthärten
  • das Infiltrantmaterial ein zweites Mal auftragen,
    1 Minute einwirken lassen
  • erneut 40 Sekunden lichthärten
    Fertig ist die Versiegelung (Infiltrant).

Wenn lediglich eine beginnende vestibuläre (oder eventuell orale (lingual palatinal)) Karies ­vorliegt, ­können wir ähnlich vorgehen. Unter www.dmg-dental.com finden sie viele weitere Informationen und Anwendungshinweise zu diesem Verfahren.

Innerhalb einer nur sehr kurzen Zeit kann mit dieser ­mikroinvasiven Methode eine (normale) Behandlung, die immer begleitet ist von Bohren und damit Zerstörung gesunder Zahnhartsubstanz, vermieden oder zumindest verzögert werden. Speziell bei ­vestibulären ­Defekten wird so (zum Beispiel nach ­Entkalkungen und beginnender ­Karies, die bei einer Bebänderung durch ­mangelhafte ­Mundhygiene entstanden sind) ein sehr befriedigendes optisches Ergebnis erzielt.

Erweiterung des Therapiespektrums

Einen interessanten Hinweis zur Kariesinfiltration mit dem Icon System gab der Zahnarzt Olaf Müller aus Hamburg. Er schreibt, dass gut ausgebildetes zahnmedizinisches Fachpersonal das Verfahren problemlos ­anwenden könne. Seine Mitarbeiterin habe dazu ein spezielles Seminar besucht und wende Icon seitdem problemlos weitgehend ­selbstständig an. Von der Möglichkeit ohne Bohrer versorgt zu werden, seien viele Patienten einfach ­begeistert. Auch sehe er eine Marketingwirkung für die Praxis. Im Klartext ­bedeutet dies, dass auch sie als fortgebildete zahnmedizinische Fachkraft eine weitere, nicht ganz uninteressante Tätigkeit in der Praxis selbstständig durchführen dürfen.

Die Abrechnung

Die Behandlungsmethode der Kariesinfiltration findet sich nicht im BEMA. Auch die neue GOZ, obwohl sie gerade erst (1. ­Januar 2012) in Kraft getreten ist, lässt auf ­normalem Weg keine ­Abrechnung zu. Möglichkeiten zur Abrechnung können sie bei uns unter www.recall-magazin.de/service/downloads herunterladen.

Ich danke Frau Elisabeth Schade von der Firma LiquiDent, der ­Abrechnungshotline der Firma DMG, für dieses Beispiel.

Quelle: Elisabeth Schade von der Firma LiquiDent, der Abrechnungshotline der Firma DMG

Downloads zum Artikel: Abrechnungshinweis für Kariesinfiltration

www.dmg-dental.com

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