Weitere Online-Medien der Barometer Verlagsgesellschaft

Wenn jeder Handgriff sitzt: Provisorienherstellung in der Zahnarztpraxis

Im Rahmen des 20. Zahnärzte Sommerkongresses, der vom 27. bis zum 31. Mai 2013 auf der Sonneninsel Usedom stattfand, wurde ein Seminar mit dem Titel „Vom Abdruck zum Provisorium“ für das Praxisteam angeboten. Die Referentin, ZMF Susanne Bänsch aus Mettmann, vermittelte während der dreistündigen Veranstaltung am Mittwochvormittag Wissenswertes rund um die direkte Herstellung von temporären Versorgungen – praktische Übungen inklusive.

Autor: 3M ESPE

Applikation des Bis-Acryl-Composites in die Situationsabformung.

4 weitere Abbildunge(n):

Aus eigener Erfahrung weiß die seit fast fünf Jahren als Referentin tätige zahnmedizinische Fachangestellte, dass bei der Anfertigung des Provisoriums im stressigen Praxisalltag jeder Handgriff sitzen muss, um ein ästhetisch und funktionell überzeugendes Ergebnis zu erzielen. Unterstützt wurde sie während des gut 30-minütigen Vortrags sowie einem anschließenden Workshop mit Materialien, die von 3M ESPE zur Verfügung gestellt wurden, von ihrer Kollegin ZMF Jacqueline Lück aus Neuruppin.

Composite als Werkstoff für Provisorien

Im Rahmen ihrer Präsentation stellte ZMF Susanne Bänsch zunächst die Anforderungen an ein Provisorium vor, das nicht nur optische Funktionen übernimmt, sondern auch dem Schutz des Zahnstumpfs, dem Erhalt der Kau- und Sprechfunktion sowie der Stabilisierung von Okklusion und Parodontium dient. Zudem bot sie eine Übersicht über die verfügbaren Materialien für den direkten Herstellungsprozess. Hier bieten Composite wie Protemp 4 Temporäres Kronen- und Brückenmaterial von 3M ESPE gegenüber PMMA deutliche Vorteile. Versorgungen aus diesem Bis-Acryl-Composite bieten u. a. eine hohe Bruch-, Druck- und Biegefestigkeit, sind biokompatibel (es werden im Gegensatz zu den erhältlichen Materialien auf PMMA-Basis keine Restmonomere freigesetzt), farbstabil und gut polierbar sowie dank ihrer geringen Polymerisationsschrumpfung passgenau.

Workflow bei der Herstellung

Die klinische Anwendung des Materials, das vorzugsweise für mehrgliedrige Versorgungen im Front- und Seitenzahnbereich sowie für Frontzahnkronen eingesetzt wird, wurde Schritt für Schritt erklärt. Die Situationsabformung wird durchgeführt und der Abdruck danach so beschnitten, dass er sich leicht intraoral reponieren lässt. Um die exakte Position im Patientenmund dabei sicher erkennen zu können, empfiehlt die Referentin, eine Markierungskerbe in das Abformmaterial zu schneiden. Dann wird Protemp 4 direkt in die Abformung appliziert. Wichtig ist hierbei, stets am tiefsten Punkt zu beginnen und die Spitze der Mischkanüle während der Applikation im Material zu belassen, um die Bildung von Luftblasen zu vermeiden. Die gefüllte Mischkanüle sollte erst vor dem nächsten Gebrauch des Materials gewechselt werden, da so ein Austrocknen des Composites verhindert wird. Der Abdrucklöffel mit dem Provisorienmaterial wird in den Mund eingesetzt, nach der Abbindung erfolgt die Entnahme des Löffels. Das Provisorium lässt sich sehr gut im noch leicht elastischen Zustand, wenn es auf Druck noch nachgibt, vom Zahn lösen.

Es folgt die Entfernung der Schmierschicht mit Alkohol, sofern keinerlei Lufteinschlüsse oder andere Unregelmäßigkeiten zu erkennen sind. Denn diese lassen sich bei vorhandener Schmierschicht mit Protemp 4 ausbessern, nachträglich ist der Einsatz eines Füllungsmaterials wie Filtek Supreme XTE Universal Composite hierfür erforderlich. Schließlich wird die temporäre Versorgung finiert. Hierzu eignen sich neben Fräsen beispielsweise Sof-Lex Ausarbeitungs- und Polierscheiben von 3M ESPE. Für die Befestigung des Provisoriums wird eugenolfreier, provisorischer Zement (z. B. RelyX Temp NE von 3M ESPE) empfohlen.

Vorgefertigte Krone

Im Anschluss präsentierten ZMF Susanne Bänsch und ZMF Jacqueline Lück Protemp Crown, eine vorgeformte Krone aus Composite, die für temporäre Einzelzahnversorgungen im Seitenzahnbereich indiziert ist. Das ebenfalls von 3M ESPE angebotene Produkt ist in neun unterschiedlichen Größen und einer Universalfarbe erhältlich. Für die Anwendung ist weder eine Situationsabformung noch ein Anmischvorgang notwendig, stattdessen lässt sich das bei Raumtemperatur verformbare Material schnell und einfach an den Zahnstumpf anpassen und erhält durch Lichthärtung die erforderliche Festigkeit.

Um die Kronengröße zu ermitteln, wird die mesio-distale Breite der vorhandenen Lücke mit einer Messlehre gemessen und mithilfe einer Tabelle die passende Krone gewählt. Im Zweifelsfall ist die kleinere Größe zu verwenden. Danach wird die erforderliche Höhe ermittelt, die Krone aus der Verpackung entnommen und mit einer Schere entsprechend gekürzt sowie an den Gingivaverlauf angepasst. Um die Krone leichter formbar zu machen, sollte sie unter leichtem Druck zwischen Zeigefinger und Daumen bewegt werden. Dann wird die Krone eingesetzt, nacheinander von allen Seiten – u. a. durch Zubeißen – angepasst sowie anpolymerisiert und wieder entnommen. Nach der Aushärtung erfolgt die Politur. Für die Befestigung sollte auch bei diesem Material ein eugenolfreier, provisorischer Zement verwendet werden.

Praktische Übungen

Während des anschließenden praktischen Teils erhielten die insgesamt 30 Teilnehmerinnen die Gelegenheit, unter Anleitung der Kursleiterinnen jeweils ein Provisorium mit Protemp 4 und Protemp Crown herzustellen. Diese demonstrierten die Vorgehensweise zunächst und standen danach den Teilnehmern mit Rat und Tat zur Seite. Viele der erwähnten Tipps konnten so gleich umgesetzt und die Materialien getestet werden. Begeistert zeigten sich die anwesenden Assistentinnen vor allem von der starken Praxisorientierung des Kurses und der individuellen Betreuung durch kompetente Referentinnen. Viele der Anregungen lassen sich auch im Praxisalltag erfolgreich umsetzen, davon sind die meisten Teilnehmerinnen überzeugt.

solutions.3mdeutschland.de

Verwandte Beiträge

Weitere Beiträge