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MED DENT-Veranstaltung zu Gynäkologie und Zahnheilkunde

Die Schnittstelle von Gynäkologie und Zahnheilkunde nutzten Prof. Dr. Thomas Kocher und Prof. Dr. Alexander Mustea für die MED DENT-Fortbildungsreihe der Zahnärztekammer Berlin. Ursprünglich angelegt auf den Aspekt „Schwangerschaft" erweiterten die beiden Referenten der Universität Greifswald das Thema der Fortbildung noch, weil sich bei den Vorbereitungen zusätzliche interessante Aspekte ergaben.

Dr. Helmut Kesler (li.), Vorstandsmitglied der Zahnärztekammer Berlin, mit den beiden Referenten.

Nach einem Crash-Kurs für die Mediziner zur Relevanz der Parodontitis gab Professor Kocher Einblicke in das „Geflecht von Risikofaktoren" und zeigte die klassischen Schwangerschafts-Folgen für das orale System wie beispielsweise Schwangerschafts-Gingivitis. Hier riet er unbedingt zur Vorsicht vor offensichtlich wirkendem Behandlungsbedarf: Es gebe schwellungsbedingt gelegentlich bis zu 6 mm tiefe Taschen – diese zeigten aber keinen wirklichen Attachmentverlust und bildeten sich nach Entbindung und Rückkehr des hormonellen Systems auf den „Normalzustand" auch wieder zurück. Es reiche aus, in diesem Fall zu polieren. Solcherart betroffene Patientinnen sollten sicherheitshalber öfter einbestellt und kontrolliert werden. Auch eine Schwangerschafts-Epulis, die bei rund einem Prozent der Schwangeren beobachtet wird, stelle keine Indikation zu einer Behandlungsmaßnahme, so lange die Patientin unter dieser nicht leide – sie bilde sich nach der Entbindung in der Regel ebenfalls zurück, hier gelte es, die Patientin zu beruhigen.

Medikation: Beachtenswertes für die Zahnarztpraxis

Den Fokus sowohl auf risikoarme wie auch risikobehaftete Medikation bei Schwangerschaft legte Professor Mustea, betonte aber auch: Schwangere seien keine Kranke, sondern „gesunde Frauen in einem besonderen Zustand". Da sich eine Schwangerschaft meist erst nach den ersten Wochen bemerkbar mache, erhielten „unerkannt" Schwangere in diesem Frühstadium vielfach ärztlich verordnete Medikamente - je nach Präparat und Intensität der Dosis führe dies hin und wieder zu einem unbemerkten Frühverlust des Kindes. Vor allem bis zur 16. Woche sei das Risiko für unerwünschte Folgen einer Medikation deutlich erhöht, sinke dann wieder, und steige gegen Ende noch einmal an. Der Organismus arbeite mehr, der Blutfluss sei verstärkt und eiweißreicher als sonst. Bei einer Medikation sei zu beachten, dass Schwangere „oft anders, schneller und auch heftiger reagieren. Man weiß nie, wann Medikamente individuell bei Frau oder Kind toxisch wirken." Tetracycline könnten Konsequenzen für die Zahnentwicklung haben, auch SpinaBifida stehe im Zusammenhang mit einer Medikation während der Schwangerschaft. Anomalien allerdings seien öfter Alkohol-Folgen. Professor Mustea: „Seien Sie also sehr zurückhaltend mit der Gabe von Schmerzmitteln!" Unter anderem solle Ibuprofen nicht verordnet werden. Auch Antibiotika seien plazentagängig. Es sei zu beachten, in welcher Phase der Schwangerschaft die Patientin sei, generell sei – außer bei Unverträglichkeit – Penicillin das Mittel der Wahl.

Stillphase: Hinweise zu Medikamenten

Achtsamkeit gelte auch in der Zeit des Stillens, da fast alle Medikamente in der Muttermilch nachgewiesen werden konnten. Notfalls solle die stillende Mutter abpumpen und bis zum Abschluss der möglichst kurzen Antibiose das Kind künstlich ernähren. Monopräparate seien generell sinnvoller als Kombinationsmedikamente. Gemeinsam mit Professor Kocher wies Professor Mustea auf mögliche, wenn auch letztlich nicht bestätigte Zusammenhänge von Parodontitis und Frühgeburt hin. Unabhängig von der letzten Klärung möglicher direkter Verbindungen sei Prophylaxe und damit die Reduzierung von Oralkeimen auf jeden Fall sinnvoll.

„Frühchen sind sehr teuer", sagte Professor Kocher. Sei es tatsächlich möglich, durch PA-Behandlung die Anzahl der Frühgeburten zu senken, habe dies eine enorme Auswirkung auf die Versorgungskosten. Die Studienlage zeige, dass „die Wissenschaft hier eher schwimmt". Eine Parodontalbehandlung gelte zwar nicht als kausales Risiko für Fehlgeburten, solle dennoch möglichst vermieden werden und im Notfall im zweiten Trimester einer Schwangerschaft erfolgen.

Auf die Rückfrage aus dem Teilnehmerkreis, wie es mit der Chlorhexidin-Gabe aussehe, empfahl Professor Kocher deutliche Zurückhaltung im ersten Trimester, im zweiten und dritten könnten Spülungen möglich sein, ebenso in der Stillphase. Abschließend stellte er ergänzend schlaglichtartig weitere Aspekte der Verbindung Gynäkologie und Mundgesundheit vor und machte deutlich, dass die interdisziplinäre ZahnMedizin noch viele Fragen klären müsse.

www.zaek-berlin.de/

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