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Keine Altersbegrenzung für Spangenträger

„Ich sage immer, Kieferorthopädie ist ein bisschen wie ‘Ravensburger Spiele‘ – von 0 bis 99 Jahre“, witzelt Prof. Dr. Heike Korbmacher-Steiner von der Klinik für Kieferor-thopädie der Universität Marburg. In der Tat ist ein 40-Jähriger mit Brackets im Mund kein ungewöhnlicher Anblick mehr. Schätzungsweise ein Drittel der Erwachse-nen hat behandlungsbedürftige Zahnfehlstellungen oder eine Kieferfehllage, die in der Kindheit nicht behandelt wurde.

Autor: proDente e.V.

Bild @ proDente e.V.

Der größte Teil der älteren Patienten entschließt sich jedoch nicht aus gesundheitlichen, sondern aus ästhetischen Gründen zu einer Korrektur.

Einzige Voraussetzung für eine kieferorthopädische Therapie ist ein entzündungsfreier Kiefer und gesunde Zähne. „Zunächst befrage ich den Patienten nach seinem Behandlungswunsch, oder auch nach seinem Leidensdruck", erklärt Prof. Korbmacher-Steiner. Danach erfolgt eine umfangreiche Diagnostik, bei der das Zahnfleisch, die Strukturen, das Kiefergelenk, die Zähne sowie die Funktionalität genau begutachtet werden. Daraufhin wird eine Erörterung des Ist-Zustandes durchgeführt. „Manchmal stimmt dieser mit dem Behandlungsziel des Patienten überein, manchmal ist das Ganze aber viel komplexer", so Prof. Korbmacher-Steiner. In diesem Falle sind oft erst gewisse Vorbehandlungen wie eine logopädische Behandlung oder eine Schienentherapie für das Kiefergelenk nötig, bevor mit der eigentlichen kieferorthopädischen Maßnahme begonnen werden kann. Insgesamt gilt es also mögliche Risiken und notwendige Voraussetzungen genauestens mit den Patienten zu besprechen, um eine gemeinsame Entscheidung für eine Behandlung zu treffen.

Spange tragen braucht Zeit

Oftmals schätzen erwachsene Patienten die Intensität und Dauer von kieferorthopädischen Behandlungen falsch ein. „Viele Patienten denken, mal eben eine kleine unsichtbare Schiene und alles ist gut", berichtet Prof. Korbmacher-Steiner aus ihrer täglichen Praxis. In der Regel dauert die Therapie jedoch mindestens ein Jahr, manchmal bis zu vier Jahre.

Bei Erwachsenen können Klammern oder Spangen nur die Zahnstellung verändern. Die Lage der Kiefer zueinander lassen sich nur noch indirekt beeinflussen. Sollen Zähne gekippt werden, reicht eine lose Klammer. Brackets kommen zum Einsatz wenn die Zähne im Ganzen bewegt oder die Wurzelstellung verändert werden sollen. Die anschließend eingesetzten Retainer garantieren einen langfristigen Erfolg, sie benötigen aber eine besonders gründliche Pflege.

Auch Erwachsene müssen sich in den ersten Tagen erst einmal mit der neuen Spange anfreunden. Oftmals scheuern Brackets und Drahtbögen an der Mundschleimhaut oder die Bogenenden piksen. Meist gewöhnt sich der Körper nach drei bis vier Tagen an die neue Situation und die Schmerzen gehen weg. „Die meisten Patienten freuen sich nach aller Mühe auf ein langfristig stabiles Ergebnis", weiß Prof. Korbmacher-Steiner.

www.prodente.de

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