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Behandlungsrealität bei der Periimplantitis-Prophylaxe

Das Aktionsbündnis gesundes Implantat hat 127 Zahnarztpraxen zur Prophylaxe von periimplantären Erkrankungen befragt. Die Ergebnisse sind größtenteils erfreulich, zeigen aber auch einige Defizite - besonders bei den Themen der präoperativen Patientenaufklärung. Das Aktionsbündnis konnte anhand der Umfrage weitere zentrale Ziele für eigene Projekte zur Förderung der periimplantären Gesundheit identifizieren.

Autor: Aktionsbündnis gesundes Implantat

Implantate boomen: Immerhin 30 Prozent der weiblichen und 57 Prozent der männlichen Zahnmediziner haben sich den Arbeitsschwerpunkt Implantologie gesetzt. (1) Gleichzeitig ist die Implantologie mit einem verhältnismäßig hohem Risiko für Patienten verbunden: Eine europäische Konsensusstudie aus dem Jahr 2006 diagnostiziert an über 50 Prozent der Implantate eine periimplantäre Mukositis und an 12 bis 40 Prozent der Implantate eine Periimplantitis. (2) Vor diesem Hintergrund wollte das Aktionsbündnis gesundes Implantat wissen, wie gut Patienten über die Risiken periimplantärer Infektionen aufgeklärt werden und welche Maßnahmen Zahnarztpraxen zur Prophylaxe von Entzündungen am Implantat ergreifen.

Informationen über Risiken der Implantattherapie kommen zu kurz

In den befragten Praxen wird sich für die Patientenaufklärung größtenteils erfreulich viel Zeit genommen. Über zwei Drittel gaben an mindestens 10 bis 20 Minuten Zeit für die Aufklärung vor einer Implantation aufzuwenden. Nur 5 Prozent der befragten Praxen klärt in maximal 10 Minuten auf. Da bei der Patientenaufklärung über die Hälfte der befragten Praxen das Assistenzpersonal hinzuzieht, will das Aktionsbündnis zukünftig noch gezielter diese Personengruppe ansprechen, um so Patienten schon präoperativ bestmöglich auf die Implantatpflege vorzubereiten.

Am häufigsten werden die Patienten bei der Aufklärung über mögliche Therapiealternativen, den Behandlungsablauf und die Initialkosten einer Implantation informiert. Die Notwendigkeit der sorgfältigen Implantatpflege nach Einheilung, eine gute Mundhygiene präoperativ, Risikofaktoren für periimplantäre Infektionen und die Gefahr und Häufigkeit periimplantärer Infektionen standen hingegen am wenigsten im Fokus der befragten Praxen. Hier muss das Bündnis ansetzen: Für die Langlebigkeit einer Implantatversorgung sind diese Punkte essentiell.

Bei der Implantatplanung mit bildgebender Diagnostik gibt große Unterschiede zwischen den befragten Praxen. Ein Großteil nutzt bereits digitales Röntgen, Filmaufnahmen sind aber noch immer sehr verbreitet. An Platz eins der Hilfsmittel für die Implantatplanung steht die digitale Panoramaaufnahme, an zweiter Stelle die Planung auf dem Modell und an dritter Stelle die 3D-Aufnahme.

Patienten zeigen hohe Prophylaxe-Motivation

Erfreulicherweise kommen in den befragten Praxen praktisch alle Patienten mindestens zwei mal jährlich zur Implantatprophylaxe, in 20 Prozent der Fälle sogar quartalsweise. Die Prophylaxe wird in den meisten Fällen von einer ZMP oder einer ZMF durchgeführt. Die Mitarbeit der Patienten bei der Implantatprophylaxe wird von knapp 60 Prozent der teilnehmenden Praxen als gut oder sehr gut bewertet. Allerdings schätzen auch 29 Prozent der Praxen die Compliance lediglich als befriedigend ein, 9 Prozent sogar als ausreichend oder mangelhaft. Hier zeigt sich für das Aktionsbündnis die Notwendigkeit der Patientenmotivation für die Implantatprophylaxe.

Bei der Durchführung der Implantatprophylaxe wird in den befragten Praxen am häufigsten mit Handinstrumenten aus Kunststoff oder Titan gearbeitet – Stahlküretten wurden jedoch ebenfalls genannt. Über die Hälfte aller Praxen nutzt für die Implantatprophylaxe Luft-Pulver-Wasserstrahlgeräte. 28 Prozent der Praxen verwenden für die Implantatprophylaxe Chlorhexidin-Präparate. 28 Prozent der befragten Praxen reinigen Implantate mit Schallscalern, 35 Prozent mit Ultraschallscalern (Mehrfachnennung war möglich). Am häufigsten gaben die befragten Praxen an, mit der Methode Piezon zu arbeiten.

Umfrage weist Aktionsbündnis den Weg

Ziele dieser nicht-repräsentativen Umfrage zur Behandlungsrealität bei der Prophylaxe periimplantärer Erkrankungen des Aktionsbündnisses gesundes Implantat waren die Evaluation von Defiziten in der Periimplantitis-Prävention, die Erhebung eines Status quo als Grundlage für kontinuierliche Erhebungen in den kommenden Jahren und die Identifizierung konkreter Ansatzmöglichkeiten für weitere Projekte des Aktionsbündnisses gesundes Implantat.

(1) IDZ-Information Nr. 1/10. Micheelis, W., Bergmann-Krauss, B., Reich, E. Rollenverständnisse von Zahnärztinnen und Zahnärzten in Deutschland zur eigenen Berufsausübung – Ergebnisse einer bundesweiten Befragungsstudie, S. 23.

(2) Lindhe J, Meyle J: Peri-implant diseases: Consensus report of the Sixth European Workshop on Periodontology, Group D. J Clin Periodontol 2008; 35 (8 Suppl): 282-28.

www.gesundes-implantat.de

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