25. März 2010 in Kategorie: Dentalhygiene
Wer kennt das nicht aus der eigenen Praxis? Patienten mit Defiziten in der Mundhygiene, trotz regelmäßiger Prophylaxe-Maßnahmen. Dies zeigt uns immer wieder: Die Prophylaxe in der Praxis ist das eine, die Umsetzung der Maßnahmen und Empfehlungen für zu Hause das andere. Die mangelnde Compliance kann drastische Folgen haben. Denn dieses Verhalten gefährdet den Erfolg unserer professionellen Arbeit und kann in den Augen der Patienten die Notwendigkeit einer Prophylaxe in Frage stellen.
Zwangsläufig stellt sich daher die Frage, wie wir diese Patienten zu einer besseren Zusammenarbeit mit dem zahnärztlichen Prophylaxeteam bewegen können. Ein interessanter und viel versprechender Ansatz ist das „Motivational Interviewing“ (MI), die „motivierende Gesprächsführung“.
„Motivational Interviewing“ ist eine strategisch eingesetzte Gesprächstechnik, die von den Psychologen William R. Miller und Stephen Rollnick für die Suchtberatung entwickelt wurde. Die Kommunikationstechnik wurde im Laufe der Zeit zunehmend auch in anderen Arbeits- und Lebensbereichen eingesetzt. Hier geht es nicht um anstrengende und häufig erfolglose „Überredungskünste“, sondern um die Motivation des Patienten, die im Rahmen der zur Verfügung stehenden Zeit Schritt für Schritt herausgearbeitet und geschickt verstärkt wird. „Motivational Interviewing“ ist ein kontinuierlicher Prozess, der vom gesamten Praxisteam als strategisches Mittel und Instrument zur Verhaltensänderung zu verstehen und einzusetzen ist. Der schnelle, kurzfristige Erfolg steht hierbei nicht im Vordergrund sondern eine bewusste und vor allem nachhaltige
Veränderung. Zu berücksichtigen ist hierbei, dass es naturgemäß unterschiedliche Patiententypen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Wissensständen sowie unterschiedlichen Motivationen gibt. In diesem Zusammenhang stellt sich die grundsätzliche Frage, was den Patienten eigentlich von einer wirksamen, vorbeugenden Mundhygiene abhält und warum er so große Schwierigkeiten hat, sein Verhalten, bzw. seine Gewohnheiten zu verändern. Unter Nutzung kommunikativer Techniken und Methoden, wie aktivem Zuhören oder dem Einsatz offener Fragestellungen, werden mit der motivierenden Gesprächsführung Ambivalenzen („Ja-aber-Dilemma“) herausgearbeitet. Was will der Patient, welche Erwartungen hat er, was spricht dagegen, welche Vor- und Nachteile sieht oder befürchtet er? Der Patient wird aktiv mit seinen Gedanken, Wünschen und seinen zwiespältigen Gefühlen in den Prozess einbezogen. Positive Verhaltensweisen, die in Richtung des gewünschten Behandlungserfolges gehen, werden im „Motivational Interviewing“ individuell verstärkt. Der Schlüssel zum Erfolg
ist, den Patient zu überzeugen und nicht zu überreden. Eine solchermaßen strategisch angelegte Gesprächsführung ermöglicht es auch, mit Widerständen und Rückschlägen positiv umzugehen. Motivational Interviewing wird vom Patienten als „gute Kommunikation“ und als angenehm empfunden. Er fühlt sich verstanden und ernst genommen. Auch bei „schwierigen“ Patienten ist diese Art der Gesprächsführung effektiv und hilft Auseinandersetzungen zu vermeiden. Es gibt wohl niemanden, der je einen Streit mit einem Patienten gewonnen hat und einen echten Vorteil davon gehabt hätte. Ein weiterer durchaus positiver Effekt ist, dass mit der motivierenden Gesprächsführung ein belastbares und vertrauensvolles Verhältnis aufgebaut werden kann. Erfahrungen zeigen, dass durch die motivierende Gesprächsführung Patienten an die Praxis gebunden werden und über „Mund-zu-Mund-Propaganda“ neue Patienten gewonnen werden können. Ein Erfolg in der Prophylaxe, der auch der wirtschaftlichen Situation der Praxis zu Gute kommen dürfte.
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