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28. April 2011 in Kategorie: Dentalhygiene

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Nach dem Erfolg des 1. Deutschen Halitosis-Tages 2010 fanden auch dieses Jahr wieder zahlreiche Fachbesucher den Weg nach Berlin, um sich über den aktuellen Stand zur Ätiologie und Epidemiologie der Halitosis sowie über Zungendiagnostik und -therapie zu informieren. Darüber hinaus war die Veranstaltung wieder eine wichtige Plattform für den erst letztes Jahr gegründeten Arbeitskreis
Halitosis.

Dr.Prof.A.Filippi Dr.Prof.A.Filippi

Zahlreiche Fachbesucherinnen und Fachbesucher nutzten am Vortag des Fachkongresses über Halitosis die Chance, an einem dreistündigen Pre-Congress-Workshop teilzunehmen. Der Referent PD Dr. Michael Bornstein von der Universität Bern zeigte sich in seiner Begrüßungsrede erfreut, dass sich viele Fachkräfte aus dem gesamten Praxisteam eingefunden hatten. Dabei erklärte der Experte, dass es zwar nicht einfach sei, in dem relativ kurzen Zeitraum das komplexe Thema zu erörtern, dennoch hoffe er, möglichst viele gute Tipps für die Praxis mitgeben zu können.

Update zur Diagnostik und Therapie

Beim „Update zur Diagnostik und Therapie“ wurden in dem Pre-Congress Workshop Fachkenntnisse zu Veränderungen der Mundschleimhaut und dem damit verbundenen möglichen Auftreten von Halitosis vermittelt. Dr. Michael Bornstein wies darauf hin, dass die Stomatologie wegen der zunehmenden Überalterung der Bevölkerung und der wachsenden Zahl von Risikopatienten immer mehr an Bedeutung gewinnt. Deshalb ist die Früherkennung, insbesondere des Mundhöhlenkarzinoms, äußerst wichtig, da der Zeitpunkt der Diagnosestellung die Langzeitprognose maßgeblich beeinflusst. Problematisch sei, dass das Mundhöhlenkarzinom beispielsweise im Vergleich zu Brustkrebs in den Medien wenig Beachtung findet. Die Erkrankung gehöre deshalb zu den „Forgotten Diseases“ obwohl auch Berühmtheiten an Mundhöhlenkarzinomen erkrankten. Prominentestes Beispiel ist wohl Sigmund Freud, der viele Jahre an einem Mundhöhlenkarzinom litt.

Dr. Bornstein betonte ferner, dass das zahnmedizinische Praxisteam diese wichtige präventivmedizinische Aufgabe am besten erfüllen kann, da die Patienten im Allgemeinen nur im Rahmen von zahnärztlichen Routinekontrollen stomatologisch untersucht und betreut werden. In dem Workshop lag deshalb der Schwerpunkt beim klinischen Erscheinungsbild der wichtigsten stomatologischen Erkrankungen. Durch die Erläuterung verschiedener Veränderungen der Mundschleimhaut lernten die Teilnehmer harmlose von verdächtigen bzw. bösartigen Schleimhautläsionen zu unterscheiden und unter welchen Voraussetzungen die Überweisung an ein stomatologisches Zentrum angezeigt ist. Ein Diaquiz bot die Möglichkeit sein Wissen über die Unterscheidung zwischen gutartigen und malignen Schleimhautläsionen zu testen.

Die Darstellung der Normvarianten und malignen Veränderungen der Mundschleimhaut zeigten aber auch, dass Mundschleimhautveränderungen klinisch oft ähnlich sind bzw. sich kaum unterscheiden. In der ersten Bestandsaufnahme ist mitunter keine eindeutige Diagnose zu stellen, lediglich eine Arbeitsdiagnose. „In solchen komplexen Fällen braucht es deshalb weitere diagnostische Verfahren“, sagte Dr. Bornstein. Um Mundschleimhautveränderungen feststellen zu können, bedarf es grundsätzlich einer sorgfältigen stomatologischen Grunduntersuchung aller Regionen der Mundhöhle und der Lippen. Als Grundregel gilt von außen nach innen zu untersuchen. Wichtig sei vor allem auch, so Dr. Bornstein, die äußere Untersuchung bzw. Palpation, um beispielsweise Lymphknotenschwellungen feststellen zu können. Diese könnten bereits auf eine entsprechende Erkrankung hinweisen. Neben einer sorgfältigen Anamnese und der systematischen Untersuchung der gesamten Mundschleimhaut, seien auch subjektive Befunde wie Schmerzen oder Blutungen des Patienten zur Feststellung einer möglichen malignen Schleimhautveränderungen äußerst wichtig.

Ungebrochenes Interesse am Thema Halitosis

Den 2. Halitosistag eröffnete Prof Dr. Andreas Filippi mit einer Begrüßung und Einführung in die Thematik Halitosis. Unter anderem sagte er, dass es ein ungebrochenes Interesse an diesem Thema gebe, was vor fünf bis sechs Jahren so noch nicht abzusehen war. „Wir haben eine Win-win-Situation: Für Patienten gibt es professionelle Anlaufstellen und Praxen könnten sich mit einer Halitosisberatung ein neues Standbein aufbauen. Jeder profitiert davon“, so Prof. Dr. Filippi, der zusammen mit PD Dr. Rainer Seemann und Prof. Dr. Christoph Benz die wissenschaftliche Leitung des Kongresses innehatte.

Nach der Einführung durch Prof. Dr. Filippi sprach Prof. Dr. J. Thomas Lambrecht über die Geschichte der Halitosis. Bei seinem Vortrag nannte er anhand von Literaturhinweisen und Anekdoten viele Beispiele aus der Antike bis ins 19. Jahrhundert, wie sich Mediziner, Philosophen und Literaten mit dem Thema Mundgeruch auseinandersetzten. „Das Thema Mundgeruch ist keine Erfindung des 21. Jahrhunderts, sondern habe die Menschen immer schon beschäftigt“, sagte Prof. Dr. Lambrecht. „Im Grunde ist die Geschichte der Vermeidung des Mundgeruchs die Geschichte der Mundhygiene.“

Zur Ätiologie und Epidemiologie der Halitosis erklärte PD Dr. Michael Bornstein unter anderem, dass die echte Halitosis ihren Ursprung vor allem in der Mundhöhle hat. Bei über 80% der Patienten mit Mundgeruch finden sich intraorale Ursachen, welche von einer aktiven Parodontitis marginalis, über Veränderungen der Mundschleimhaut bis hin zu Belägen der Zungenoberfläche reichen können. Erkrankungen aus dem HNO- (zum Beispiel Rhinosinusitiden) oder gastroenterologischen Bereich wie beispielsweise Refluxösophagitis, sind weniger häufig Ursache einer Halitosis, was aber deren Abklärung und Diagnosefindung zum Teil erheblich erschwert. Im Hinblick auf die Verbreitung der Halitosis in der Bevölkerung gibt es mangels objektiver Erhebungen und uneinheitlicher Studien kaum verlässliche Daten.

Prof. Dr. Christoph Benz aus München sprach über Wirkstoffe in der Halitosisbehandlung. Häufig diskutiert werden diese im Zusammenhang mit der Therapie und persönlichen sowie professionellen Mundreinigung bei der Halitosis. Vielen Wirkstoffen in Form von Tabletten, Zungen- und Mundreinigungspasten sowie Mundspüllösungen kann ein Nutzen im Rahmen einer zielgerichteten Therapie nicht abgesprochen werden, dennoch sei insgesamt das Evidenzniveau noch nicht sehr hoch.

Vielversprechende Ansätze bei der Therapie

Prof. Dr. Filippi gab in seinem Referat Zungendiagnostik und Zungentherapie einen Überblick darüber, wie verschiedene Zungenbeläge medizinisch einzuordnen sind und was dies für die Therapie bedeutet. Dr. Filippi hob hervor, dass innerhalb des boomenden Themas Halitosis vor allem die Zungendiagnostik und die Zungentherapie die mit Abstand größten Fortschritte gemacht haben. Weil sich die Schulmedizin lange Zeit nicht besonders mit dem Problem Mundgeruch auseinandersetzte, gab es erheblichen Nachholbedarf bei der Diagnostik und Therapie von Halitosis. Erst jetzt beginnen alle betroffenen Fachgesellschaften für Parodontologie, Kariologie, Implantologie sowie Kinder- und Präventivzahnmedizin dafür ein Bewusstsein zu entwickeln.

Diese Nichtbeachtung der Zunge ist nach heutigem Kenntnisstand kaum nachvollziehbar, behandelt doch der Zahnarzt täglich Erkrankungen mikrobiologische Ursachen wie zum Beispiel Karies oder Parodontitis. Inzwischen weiß man, dass die meisten dieser verursachenden Bakterien auf der Zunge angesiedelt sind. Der Ansatz einer Therapie der Parodontitis, Karies oder auch der Periimplantitis muss also dort beginnen. Ganz wichtig dabei sind auch vorbeugende Maßnahmen zu Verhinderung dieser Erkrankungen.

Eine geeignete Mundhygiene, deren Ziel die Prävention der genannten Erkrankungen ist, muss heute und in der Zukunft ganz selbstverständlich auch die Zungenreinigung beinhalten. Die meisten der neuen Diagnostiken und Therapien sind einfach in der Praxis umsetzbar. Darüber hinaus gibt es heute zahlreiche weitere neue Ansätze wie Probiotika, Impfung oder Zink. Diese sind sehr viel versprechend, deren wissenschaftliche Datenlage teilweise jedoch noch zu gering.

Zahnarztpraxen erste Anlaufstellen

Dr. Sebastian Kühl erläuterte in seinem Vortrag weitere aber bisher wenig beachtete Ursachen für Halitosis. Sowohl Implantate, als auch Bisphosphonatinduzierte Osteonekrosen können eine Halitosis verursachen. In diesem Zusammenhang kann die „Bisphosphonatassoziierte“ Halitosis als Frühsymptom einer Osseonekrose auftreten, und somit als erstes Symptom auf eine solche hinweisen. Bei der „implantatassoziierten“ Halitosis kann zwischen chirurgischen-, prothetischen- und systemabhängigen Ursachen unterschieden werden. In diesem Vortrag wurde der Bezug zwischen Halitosis und Implantaten sowie Bisphosphonaten in Falldarstellungen erklärt und Möglichkeiten zur Vermeidung erörtert.

PD Dr. Rainer Seemann erklärte in seinem Referat, dass in den meisten Fällen von Mundgeruch die Geruchsquelle ihre Ursache in der Mundhöhle hat. Dabei spielen bakterielle Beläge der Zunge die wichtigste Rolle. Die Zahnarztpraxis sollte daher die erste Anlaufstelle sein, denn nur dort kann wirksam Hilfe angeboten werden. Bei den meisten Patienten kann durch eine fachgerecht durchgeführte Zungen- und Mundhygiene sowie eine professionelle Prophylaxe der Mundgeruch nachhaltig beseitigt werden. Der Zahnarzt und sein Team sollten darauf eingestellt sein, indem sie das Problem erkennen, über die Geruchsquellen und Ursachen von Halitosis informiert sind, in der Lage sind eine organoleptische Basisuntersuchung durchzuführen sowie nach Bestimmung der Geruchsquelle entsprechende Behandlungsschritte einzuleiten“, sagte Dr. Seemann.

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