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Was Hänschen nicht lernt .…

… lernt Hans nimmer mehr. Bedarfsgerechte Selbstzahnpflege kann nicht früh genug beginnen. Darum sollte Mundhygiene bereits im frühen Kindesalter fest in den Tagesablauf integriert werden. Wer Kinder fortlaufend zur gewissenhaften Zahnpflege anleitet, leistet nicht nur einen Beitrag zur Kariesvorsorge, sondern prägt die Einstellung des Kindes hinsichtlich der Selbstverständlichkeit gründlicher Zahnpflege für das ganze Leben. Mundhygiene beginnt daher in der Zahnarztpraxis.

Dr.Jens Thomsen

Denn: Viele Eltern wissen gar nicht um die Gefahren kariöser Läsionen an Milchzähnen. Sie sind im Irrglauben, dass sich solche Erstzahn-Erkrankungen mit Herausfallen der Milchzähne beheben und die Zahnsituation bei Null beginnt. Hier stehen Zahnärzte und Praxisteam in der Pflicht, Eltern und Kinder hinsichtlich prophylaktischer Eigenzahnpflege zu sensibilisieren. Bei der Entwicklung eines individuellen Behandlungsplans helfen so genannte Risikoprofile. Eine kindgerechte Gestaltung der Prophylaxeschulung sowie geduldiges Ausprobieren neuer Zahnpflegeprodukte sind ebenso Bestandteil wie eine fundamentale Ernährungsberatung. Idealerweise haben Eltern im Anschluss die Möglichkeit, alle kindgerechten Zahnpflegeprodukte im praxiseigenen Prophylaxeshop zu erwerben.

Kinder und Eltern zur Eigenzahnpflege motivieren

Die Zahngesundheit eines Kindes ist immer nur so gut, wie Zahnarzt, Praxisteam und Eltern es dazu anleiten. Bei einer Erstbehandlung sollte der Zahnarzt die Eltern daher über das bestehende Praxiskonzept aufklären und Hintergründe für weitere Behandlungsschritte aufzeigen. Er erläutert Karies, Parodontitis, Bedeutung und Risiken von Zahnbelag sowie die daraus resultierende Notwendigkeit täglicher Selbstzahnpflege schon ab frühester Kindheit. Im Anschluss an die wesentlichen Voruntersuchungen überlässt er den Prophylaxeassistentinnen und Dentalhygienikerinnen das Feld. Sie nutzen die Prophylaxeschulung, um dem kleinen Patienten und seinen Eltern die Relevanz von Prophylaxe als wichtigsten Stützpfeiler der Zahnmedizin zu erläutern. Ohne Prophylaxe sind alle anderen zahnmedizinischen Methoden nicht von dauerhaftem Erfolg und eine lebenslange Zahngesundheit nicht gewährleistet. Mundpflege sollte daher fester Bestandteil im Tagesablauf des Kindes werden. Kleine und große Patienten, die sich täglich Zeit für intensive Zahnpflege nehmen, haben weniger Zahnerkrankungen und schützen sich vor langwierigen, meist kostspieligen Behandlungen. Darum läuft die Schulung bei Kindern auch unter dem Motto „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr“. Bei Kindern lassen sich Verhaltensweisen noch leichter formen. Eine kindgerechte Gestaltung ist ein „Muss“, bringt allen Beteiligten Spaß und erleichtert die Beratung. Bewährt hat sich beispielsweise die Arbeit mit Lern-Zahnpuppen, die am Ende des Praxisbesuchs eine kleine Überraschung bereit halten. Hinsichtlich des Lobens gilt bei Kindern: Viel hilft viel. Natürlich sind Prophylaxeassistentin, Dentalhygienikerin und Zahnarzt immer auf die Bereitschaft der Eltern angewiesen – die wiederum lernen gleichzeitig durch ihr Kind viel über das komplexe Thema Zahngesundheit.

Risikoprofile in der Kinderzahnheilkunde

Studien belegen unlängst, dass Karies im Erwachsenenalter vermeidbar wäre, wenn Läsionen in der Kindheit gar nicht erst entstehen. Doch diese Grundvoraussetzung können Zahnarzt und Praxisteam nicht allein sicher stellen. Kinder müssen daher frühzeitig zur richtigen Selbstzahnpflege motiviert werden. Nur kontinuierliche Mundhygiene stoppt die Entstehung von Plaque und Karies. Um jedem Patienten eine individuelle Beratung und Prophylaxeschulung zu ermöglichen, arbeiten einige Zahnarztpraxen mittlerweile mit so genannten Risikoprofilen. Bei der Entwicklung von Risikoprofilen stellt die Pathogenese und Prävention von Plaque bei Kindern den wichtigsten ätiologischen Faktor für Karies dar. Daher ist der Plaqueindex ein wichtiger Indikator in Risikoprofilen. Aber auch äußere Faktoren wie der Verzehr von zuckerhaltigen Produkten mit langer Zucker-Clearance-Zeit oder auch familiäre und soziale Hintergründe spielen eine große Rolle. Als weiterer wichtiger Punkt bei der Beurteilung des Kariesrisikos gilt es, die präventiven Faktoren der häuslichen Selbstzahnpflege zu beleuchten. Diese dienen als Ansatzpunkt, kleine Patienten zur bedarfsgerechten Pflege zu motivieren und Eltern von deren Wichtigkeit zu überzeugen sowie zur Mitarbeit zu bewegen. Das geschieht am besten mit Risikoprofilen. In diesen wird jeder Faktor hinsichtlich des Kariesrisikos in „nicht vorhanden“, „gering“, „vorhanden“ und „hoch“ eingestuft. Da der Zahnarzt die Profile individuell für die Kinder erstellt, wächst die Motivation zur individuellen, bedarfsgerechten Selbstzahnpflege – bei Eltern und Kindern. Darüber hinaus lassen sich anhand der Risikoprofile Prognosen zum späteren Krankheitsverlauf treffen. Patienten können so einer bestimmten Risikogruppe zugeteilt und entsprechende Recallintervalle festgelegt werden, die – wenn sich Eltern des Risikos für ihre Kinder bewusst sind – gern in Anspruch genommen werden. Risikoprofile bieten den entscheidenden Vorteil, jeden einzelnen Faktor übersichtlich zu dokumentieren. Anhand von Grafiken lassen sich Krankheitsstatus und Folgeentwicklungen visuell darstellen. So helfen individuelle Risikoprofile, Eltern nahezubringen, wie es um Zähne und Krankheitsrisiko ihres Kindes steht. Notwendige prophylaktische Maßnahmen lassen sich dann leichter implementieren. Darüber hinaus spornt kontinuierliches Fortführen der Profile auch die kleinen Patienten bei ihrer häuslichen Selbstzahnpflege an, denn die Dokumentation der Veränderungen, ob positiv oder negativ, unterstreichen die Bedeutung täglicher Mundhygiene für eine langanhaltende Zahngesundheit.

Kindgerechte Produkte anbieten und erklären

Nahezu jede Kariesläsion an bleibenden Zähnen entsteht letztendlich in der Durchbruchphase als Initialkaries. So befindet sich die Plaque bei durchbrechenden Molaren hauptsächlich in den Fissuren. Es ist essenziell, Fissurenkaries in der Durchbruchphase der Molaren zu vermeiden. Darum stehen Zahnarzt und Praxisteam in der Pflicht, Eltern über die daraus resultierenden Erfordernisse in der häuslichen Zahnpflege aufzuklären. Zur speziellen Reinigung der Okklusalflächen bieten sich Einbüschelbürsten an, die durch ihr konzentriertes Borstenfeld gründlich in Fissuren reinigen. Zur Reinigung von Interdentalräumen, die bei Kindern fester Bestandteil täglicher Mundhygiene sein sollte, bieten sich spezielle Kinderzahnseiden oder Dental-Tape an, da sie für Kinder leichter in der Anwendung sind. Aber auch die Pflege mit Interdentalbürsten, die im Vergleich zu Seide und Hölzern Einziehungen und Furchen der Interdentalräume effektiver reinigen, kann schon im heranwachsenden Alter begonnen werden. Hier gilt: Scheu nehmen, Mut machen und immer wieder Loben.

Wer die Eltern mit einbezieht, nimmt auch ihnen die Berührungsangst. Denn nicht selten sehen Kind und Eltern die in der Beratung hinzugezogenen Zahnpflegeprodukte zum ersten Mal. Die Nützlichkeit fluoridierter Zahncremes stellt heute keiner mehr in Frage. Fluorid reduziert die Zucker-Clearance-Zeit, hemmt die Demineralisierung und fördert die Remineralisierung des Zahnschmelzes. Zudem verringert es die Säurelöslichkeit des Schmelzes und das mikrobielle Wachstum. Zur Vermeidung von Fluorosen sollten Putzempfehlungen zu spezieller Kinderzahnpasta mit Fluoridgehalten von 500 ppm selbstverständlich sein. Darüber hinaus gehört eine fundamentale Ernährungsberatung zur Schulung. Oft ist Eltern nicht bewusst, wie sehr zur Gewohnheit gewordene Produkte den Zähnen schaden. Die in der Beratung hinzugezogenen Mundhygiene-Artikel können Eltern am besten im Anschluss im praxiseigenen Prophylaxeshop erwerben. In der Kinderzahnheilkunde sollte der Shop von Kinderlernzahnbürsten bis hin zu spezieller kindgerechter Zahnseide passende Produkte beinhalten, gerne in allen erdenklichen Farben. Kinderzahnbürsten, Lernzahnbürsten, Zahncreme und Zahnseide für Kinder, Milchzahndosen sowie zuckerfreie Süßigkeiten gehören ebenso dazu wie Einbüschel- und Interdentalbürsten.

Fazit

Kinder können nicht früh genug an häusliche Selbstzahnpflege herangeführt werden. Je früher Mundhygiene zum Tagesablauf dazu gehört, desto selbstverständlicher wird sie mit den Jahren. Vor allem die wissenschaftlich fundierte Erkenntnis, dass der Großteil an Zahnerkrankungen im Erwachsenenalter vermieden werden kann, wenn Zahnärzte und Praxisteam ihre Patienten im Kindesalter für tägliche Selbstzahnpflege sensibilisieren, spornt an. Wichtig ist, zu jeder Zeit die Eltern einzubeziehen. Sie haben maßgeblichen Einfluss auf die Umsetzung der erlernten Putz- und Pflegetechniken in den eigenen vier Wänden und entscheiden über den Ernährungsplan. So stellen Patient, Eltern und Zahnarztpraxis gesunde Zähne bis ins hohe Alter sicher.

Veranstaltungsankündigung

Oral-Prevent macht fit im Umgang mit PA-Patienten. Die Oral-Prevent Akademie in Hamburg bietet daher speziell auf zahnmedizinische Fachangestellte und Dentalhygieniker abgestimmte Fortbildungsreihen an. Gemeinsam mit Referentin Dr. Giedre Matuliene, Fachzahnärztin für Parodontologie und Implantologie und ehemalige Oberärztin an der Universität Bern/ CH, durchlaufen die Teilnehmer im Aufbaukurs Fortgeschrittene am 26. und 27. August sowie 23. und 24. September Übungen zu schwierigeren parodontologischen Fällen, die im Praxisalltag immer wieder eine Herausforderung darstellen. Bei Bedarf besteht die Möglichkeit, individuelle Fälle zu besprechen. Weitere Infos unter www.oral-prevent.de

Behandlung und Betreuung des PA-Patienten / Professionelle Zahnreinigung
Aufbaukurs Fortgeschrittene für ZMF und DH:
Modul I 26. – 27. August 2011, Modul II 23. - 24. September 2011
Jeweils freitags 14:00 – 19:00 Uhr und samstags 9:00 – 17:00 Uh

 

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