Weitere Online-Medien der Barometer Verlagsgesellschaft

Professionelle zahnärztliche Prophylaxe

Vorbeugung, Prävention und Prophylaxe, diese Begriffe rücken zunehmend in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses und spielen insbesondere auch in der zahnärztlichen Beratung eine große Rolle. Insgesamt ist im Bereich der Zahnmedizin in den letzten Jahren ein Paradigmenwechsel zu beobachten. Der Trend geht weg von der restaurativen und hin zur erhaltenden, präventiven Zahnmedizin. Eine sehr sinnvolle Entwicklung wie ich finde, denn wie zwischenzeitlich hinreichend bekannt ist, können Parodontalerkrankungen massive Auswirkungen auf die Allgemeingesundheit haben (Diabetes, Herzerkrankungen, Frühgeburtenrisiko etc.). Auch im Bereich der Implantologie ist die Prophylaxe von besonderer Bedeutung. Zahnimplantate können nur durch eine lebenslang begleitende, systematische und professionelle Prophylaxe erhalten werden.

Sylvia Fresmann

Individuelles Prophylaxekonzept

Prophylaxe ist als ganzheitliches Konzept mit verschiedenen Elementen zu verstehen, die aufeinander abgestimmt wie Zahnräder in einem Getriebe ineinandergreifen. Grundvoraussetzungen sind organisatorische und betriebliche Rahmenbedingungen in der Zahnarztpraxis, die den Aufbau eines professionellen Prophylaxebereichs erst ermöglichen. In der parodontologisch ausgerichteten Praxis, in der ich tätig bin, wurde im Rahmen einer Reorganisation ein eigenständiges Prophylaxezimmer mit spezifischem Zubehör integriert. Arbeitsprozesse und Ablauforganisation wurden angepasst und optimiert. Gemeinsam im Team wurde Schritt für Schritt eine individuelle Prophylaxephilosophie entwickelt und umgesetzt. Wichtig dabei war und ist, dass das gesamte Praxisteam den Prophylaxegedanken lebt und überzeugt hinter dem Konzept steht.

Im Mittelpunkt unserer Überlegungen steht der Patient. Ohne ihn und ohne seine Mitwirkung (Compliance) kann kein noch so ausgefeiltes Konzept seine volle Wirkung entfalten. Wir haben erkannt und akzeptiert, dass der Patient mit seinen individuellen Stärken und Schwächen in das Konzept mit einbezogen werden muss. Der Behandlungserfolg und auch der betriebswirtschaftliche Erfolg der Praxis liegen meines Erachtens in der Fähigkeit, jeden einzelnen Patienten im übertragenen Sinne da abzuholen, wo er gerade steht. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist, ihn von der Notwendigkeit der Prophylaxe und den damit verbundenen individuellen Behandlungsschritten und Investitionen in die eigene Gesundheit zu überzeugen. Hierfür sind im besonderen Maße kommunikative und soziale Kompetenzen erforderlich. Ein überredeter oder überrumpelter, mit Fachbegriffen „überfahrener“ Patient wird sich in der Regel nicht nachhaltig in ein professionelles Prophylaxekonzept einbinden lassen. Der Patient muss die verschiedenen Schritte des Prophylaxekonzeptes verstehen. Hierzu werden die einzelnen Behandlungsschritte möglichst individuell auf ihn abgestimmt.

Abhängig vom Befund und der Mitarbeit des Patienten wird die Dauer der einzelnen Phasen der ca. 60-minütigen Prophylaxesitzung individuell angepasst. Im Rahmen des Einführungsgesprächs werden der Ablauf der Behandlung und die wichtigsten Geräte vorgestellt. Nach der gründlichen Untersuchung und Anamnese zur Ermittlung des Behandlungsbedarfs durch den Zahnarzt beginnt die Prophylaxeassistentin mit der Erhebung verschiedener Indices (SBI, BOP, API etc.) und Parameter (Rauchen, Medikamenteinnahme, Tiefe der Zahnfleischtaschen, Allgemeinerkrankungen etc.). Die Befunde werden in unserer Praxis mit einer einfach zu bedienenden Software (ParoStatus.de) digital dokumentiert. Kabellos werden die Werte mit einer kleinen Tastatur in die Praxissoftware übertragen und für den Patienten sichtbar auf einem Monitor dargestellt. Zusätzlich werden die Messwerte von der Software über einen Computerlautsprecher akustisch wiedergegeben. Der Patient ist so unmittelbar informiert und für Erklärungen und Hinweise offen. Sehr häufig ergeben sich interessierte Nachfragen, die im Sinne der Prophylaxe argumentativ aufgegriffen werden können. Zum besseren Verständnis und zur Motivation erhält der Patient zum Schluss einen individualisierten Ausdruck, der mit farbigen Grafiken in verständlicher Form den Befund und das individuelle Erkrankungsrisiko beschreibt. Besonders gut werden von den Patienten die in dem Ausdruck enthaltenen Hinweise für die häusliche Mundhygiene und die Empfehlungen für individuelle Mundhygieneprodukte und -hilfsmittel angenommen. Anhand des Ausdruckes kann der Patient die Empfehlungen und Maßnahmenvorschläge zu Hause noch mal in Ruhe nachlesen und nachvollziehen. Eine spezielle Falttechnik ermöglicht es, den Ausdruck im häuslichen Bad so aufzustellen, dass die wichtigsten Tipps und Hinweise jederzeit im Sichtfeld des Patienten bleiben und so eine ständige Erinnerung erfolgt. Mittelfristig betrachtet kann der Patient, aufgrund veränderter (verbesserter) Werte, den Behandlungserfolg visuell nachvollziehen, was erfahrungsgemäß einen wichtigen Motivationsschub auslöst. Das Thema „Motivation“ ist übrigens ein zentraler Bestandteil des Prophylaxekonzeptes, denn nur ein überzeugter und motivierter Patient wird auf Dauer für die Prophylaxe zu gewinnen sein.

Bei der Darstellung der Zusammenhänge zwischen Mundhygiene, oraler Gesundheit und Allgemeingesundheit gilt es, den Patienten nicht zu überfordern. Weniger ist in diesem Fall meistens mehr. Mundhygieneinstruktionen werden von uns nur in „überschaubaren Dosen“ vermittelt. Es hat sich als effektiv bewährt, zunächst maximal nur 3 Hilfsmittel zu empfehlen und dem Patienten das Gefühl zu vermitteln, dass er eigentlich schon auf dem richtigen Weg ist. Gelingt dies, entwickelt sich ein für den weiteren Behandlungsverlauf sehr hilfreiches Vertrauensverhältnis, welches sich in der Regel auch in Termintreue und Praxisbindung widerspiegelt. Im Rahmen der Zahnreinigung können den Patienten visuelle Eindrücke, z.B. durch Anfärben und den Einsatz einer Intraoralkamera vermittelt werden, die den Gesamtprozess positiv verstärken. Das Frische- und Glättegefühl nach der Politur bleibt als angenehm in Erinnerung und wirkt zusätzlich als Motivator. Unser Ziel ist es, dass jeder Patient mit einem guten Gefühl und einem positiven Ausblick die Praxis verlässt. Dies geschieht natürlich nicht, ohne vorher konkret einen Termin für die nächste Sitzung zu vereinbaren. Mit einem vorher abgesprochenen Erinnerungsverfahren (Mail, Anruf, etc.) erinnern wir den Patienten rechtzeitig an den bevorstehenden Prophylaxetermin.

Zusammenfassend sind für mich folgende Faktoren für ein professionelles Prophylaxekonzept von entscheidender Bedeutung:

  • Durchgängige Prophylaxephilosophie
  • Kompetentes und qualifiziertes Praxisteam
  • Professionelles Praxismanagement
  • Innovative Geräte und Materialien
  • Qualitätsmanagement
  • Patientenorientiertes Kommunikations- und Marketingkonzept
  • Service
  • Corporate Identity

In unserem Prophylaxebereich setzen wir vorrangig auf die Produkte von KaVo: Prophylaxestuhl, Scaler, Pulverstrahlgerät, Kariesdiagnoseinstrument, Prophylaxe-Winkelstücke und Intraoralkamera stammen alle aus Biberach.

    Zahnreinigung mit Scaler und Pulverstrahlgerät

    Der SONICflex Schallscaler mit seiner Vielzahl an Spitzen hat sich bei uns bestens in der Prophylaxe bewährt. Die filigrane Bauweise der Spitzen ermöglicht die Erreichbarkeit auch schwer zugänglicher Wurzelareale und Furkationen. Im Vergleich zur Kürette empfinden Patienten die Anwendung als deutlich schmerzärmer. Wie bei anderen Anwendungen auch, ist es zur Vermeidung von irreversiblen Schäden an der Wurzeloberfläche erforderlich, sich mit der Arbeitssystematik und dem Schwingungsverhalten auseinanderzusetzen. Anstellwinkel und Anpressdruck spielen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle. Gut ausgebildete Prophylaxefachkräfte beherrschen die korrekte Anwendung und sind ein Garant für eine gleichermaßen gründliche und schonende Behandlung, die vom Patienten sehr geschätzt wird. Die geringe Geräuschentwicklung, auch bei voller Drehzahl, ist für Patienten ein großer Vorteil. Eine zusätzliche Stressbelastung wird dadurch vermieden. Dies macht sich besonders bei der Behandlung von Angstpatienten positiv bemerkbar. Bei der Pulverstrahlbehandlung, die je nach Bedarf nach dem Scaling zum Einsatz kommt, darf es zu keinen Unterbrechungen durch verstopfte Instrumente oder eine komplizierte Handhabung kommen. Daher setzen wir in der Praxis das Pulverstrahlgerät PROPHYflex 3 ein. Die Kanüle ist so konstruiert, dass der Pulverstrahl perfekt konzentriert ist. Die Fließrate des Pulvers – wir verwenden die PROPHYpearls – ist optimal auf die Kanüle abgestimmt; Unterbrechungen bzw. Verstopfungen kommen nicht vor. Ein großer ergonomischer Vorteil ist, dass mit der um 360° drehbaren Kanüle das Arbeiten auch an schwer zugänglichen Stellen erleichtert wird. Angenehm ist zudem das schnelle Aufstecken des Gerätes auf die MULTIflex-Kupplung, wodurch Zeit gespart und unnötiges Kabel- und Leitungsgewirr vermieden wird.

    Zahnpolitur

    Durch die oszillierende Bewegung beim Polierwinkelstück 2933 bleibt die Polierpaste während der Behandlung auf dem Polierkelch haften. Die Polierpaste spritzt dadurch nicht weg und steht mit voller Reinigungsleistung auch an schwer zugänglichen Stellen zur Verfügung. Der relativ kleine Kopf des Prophylaxewinkelstückes ermöglicht zudem einen verbesserten Zugang zum Arbeitsfeld.

    Kariesdiagnostik und Parodontitisprophylaxe

    KaVo bietet mit dem DIAGNOdent ein einzigartiges Instrument zur Kariesfrüherkennung an. Den DIAGNOdent pen setzen wir zur Erkennung von Karies als unterstützendes Hilfsmittel ein. Insbesondere vor der Fissurenversiegelung bei Kindern und Jugendlichen kommt das Gerät bei Kariesverdacht zum Einsatz. Die ermittelten Werte werden dokumentiert und ermöglichen es, die Entwicklung von kariesgefährdeten Zähnen im Zeitverlauf nachzuvollziehen und den Erfolg von Prophylaxemaßnahmen zu belegen. Die erfassten Daten können objektiv in die Beratungssituation mit einbezogen werden und sind für den Patienten gut nachvollziehbar. Darüber hinaus setzen wir den DIANGOdent pen in der unterstützenden Parodontaltherapie ein. Mit einer speziellen Parosonde scannen bzw. tasten wir in den parodontalen Taschen, die Blutungen aufweisen, nach verbliebenen Konkrementen und entfernen diese anschließend sauber und effizient mit dem SONICflex Schallscaler. Der Bedarf an professioneller Prophylaxe wird in den nächsten Jahren insgesamt deutlich steigen. Ursächlich hierfür ist die demographische Entwicklung. Die vierte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS IV) hat z.B. gezeigt, dass immer mehr ältere Menschen bis ins hohe Alter über immer mehr eigene Zähne verfügen. Ein Resultat durchlaufender Prophylaxemaßnahmen in jüngeren Jahren. Damit verbunden sind allerdings altersspezifische Erkrankungen wie Zahnhalskaries, Knochenabbau, Erosionen, Parodontitis etc., denen wiederum nur mit einem professionellen Prophylaxekonzept und gut ausgebildeten Prophylaxefachkräften wirkungsvoll begegnet werden kann. In unserer Praxis haben wir uns auf diese Entwicklung frühzeitig eingestellt und entsprechende Maßnahmen getroffen. Mittlerweile haben sich die Investitionskosten amortisiert und der Prophylaxebereich ist zu einem wirtschaftlichen Standbein geworden.

     

    Verwandte Beiträge

    Weitere Beiträge