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Mundgeruchsprechstunde fördert Lebensqualität

Jeder vierte Erwachsene in Deutschland leidet Schätzungen zufolge unter schlechtem Atem. Grund genug für die Berliner Zahnärztin und Spezialistin für Parodontologie Dr. Claudia Christan, eine Mundgeruchsprechstunde ins Leben zu rufen. Ziel ist es, gemeinsam mit dem jeweiligen Patienten den Ursachen des Problems auf den Grund zu gehen, um anschließend zu einer erfolgversprechenden Lösung zu gelangen. Im Interview beantwortet die Expertin Fragen rund um das Thema Mundgeruch ...

Welchem Zweck dient eine „Mundgeruchsprechstunde“?

Mundgeruch ist weit verbreitet und kann mit erheblichen Belastungen für die Betroffenen und ihr Umfeld einhergehen. Da er in den allermeisten Fällen im Mund- und Rachenraum entsteht, bin ich als Zahnärztin zweifellos die erste Ansprechpartnerin für das Problem. Seit einigen Jahren biete ich daher in meiner Praxis eine spezielle Mundgeruchsprechstunde an. Damit möchte ich das Thema „Mundgeruch“ aus der Tabuecke herausholen und den Patienten ganz konkrete Hilfsangebote unterbreiten. Es überrascht mich immer wieder, wie dankbar viele Patienten sind, wenn sie ungeniert und sachlich über ihr Problem sprechen können. Es ist sogar schon passiert, dass ich gebeten wurde, den Partner auf seinen Mundgeruch anzusprechen. Ebenso ist es mir ein Anliegen, über das Thema aufzuklären und das Bewusstsein zu stärken. Meiner Ansicht nach besteht hier ein großer Nachholbedarf – sei es bei den Betroffenen und ihren Angehörigen, den behandelnden Ärzten oder der Forschung.

Welche Ursachen kann schlechter Atem haben?

Bakterien im Mund halten sich vorzugsweise in verborgenen Nischen auf und produzieren Stoffwechselprodukte, die wir in der Summe als schlechten Geruch wahrnehmen. Bekannte Schlupfwinkel sind Kariesstellen oder gar Löcher, sowie defekte Füllungen und Kronenränder. Zu den, den Betroffenen weniger bekannten Bakteriennischen und Ursachen von schlechtem Atem gehören die Zungenoberfläche mit ihren unzähligen Mikrogrübchen sowie chronische Zahnfleischentzündungen (Parodontitis). Eine häufig unbeachtete Ursache ist eine zu trockene Mundhöhle. In einem trockenen Mund breiten sich Keime wesentlich schneller aus, da sie nicht – wie im Normalfall – durch den natürlichen Speichelfluss beseitigt werden. Davon betroffen sind häufig Patienten, die schnarchen, mit offenem Mund schlafen oder Raucher. Schuld an dem trockenen Mund kann ebenfalls die Einnahme bestimmter Medikamente sein. Dies betrifft häufig ältere Menschen.

Was erwartet den Patienten in Ihrer Sprechstunde?

Vorab bekommt der Patient einen ausführlichen Fragebogen, den er ausgefüllt in die Sprechstunde mitbringt und anhand dessen ich mir meist bereits ein recht genaues Bild von seinem Problem machen kann. Nach der sorgfältigen Untersuchung von Mundraum und Zähnen führe ich ein Diagnosegespräch durch. Ergänzend kann mit einem sogenannten Halimeter die Konzentration der Schwefelverbindungen in der Atemluft gemessen werden, die als Indikator für die Intensität des Geruchs gilt. Anhand der Untersuchungsdaten erarbeite ich dann einen individuellen Therapieplan. Dieser beinhaltet immer professionelle Zahnreinigungen und Mundhygieneaufklärung. Das schöne ist, dass sich so leicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen lassen, da eine gute Mundhygiene langfristig auch schlimmere Folgen wie Karies und Parodontitis vorgebeugt. Zudem erhalten die Patienten ein völlig neues Mundgefühl – die beste Motivation in Zukunft regelmäßig an ihre Zahnhygiene zu denken. Denn auch die beste Therapie zeigt wenig Wirkung, wenn der Patient nicht selbst Verantwortung für seine Mundgesundheit übernimmt.

Wie sieht die Behandlung von Mundgeruch im Einzelnen aus?

Wenn nötig schließe ich vorhandene Löcher und Lücken durch Füllungen oder Zahnersatz, wodurch gleichzeitig etwaige Bakterienansammlungen beseitigt werden. Mittels hygienischer, medikamentöser oder chirurgischer Maßnahmen gehe ich zudem gegen oftmals diagnostizierte Entzündungen des Zahnfleisches (Parodontitis) und Zahnhalteapparats und damit verbundene Bakterienherde vor. Regelmäßige Kontrollen und Prophylaxebehandlungen beugen erneuten bakteriellen Belägen und Mundgeruchsproblemen vor. Den wenigen Patienten, bei denen ich keine zahnmedizinische Ursache für den schlechten Atem finde, rate ich, möglichst rasch einen Allgemeinmediziner aufzusuchen. Er wird feststellen, ob vielleicht eine Entzündung der Kiefer- oder Nebenhöhlen, eine Stoffwechselstörung wie Diabetes oder eine andere Erkrankung vorliegt. Sind Rauchen, Stress oder Schnarchen die Auslöser, sind Spezialisten für eine Raucher-Entwöhnungstherapie sowie Psychologen oder Schlafmediziner an der Reihe. Ist die Mundtrockenheit auf Medikamenteneinnahmen zurückzuführen, beziehe ich den verordnenden Arzt mit ein und unterstütze den Patienten mit entsprechenden Ernährungs-und Pflegetipps. Außerdem gibt es Fälle, in denen Menschen, die in meine Sprechstunde kommen, nur glauben, dass sie ein Mundgeruchsproblem haben. Die Psychologie nennt eine solche Angst- oder Zwangsstörung Halitophobie – diese Betroffenen verweise ich an entsprechende Spezialisten.

Was empfehlen Sie Ihren Patienten?

Mir ist es wichtig, dass der Patient in der Mundgeruchssprechstunde die Erfahrung macht, dass sein Problem durch eine entsprechende Zahnbehandlung und Mundhygiene behoben werden kann. Deswegen gebe ich auch Tipps zur täglichen Mund- und Zahnpflege. Außer Zähneputzen nach den Mahlzeiten gehört dazu beispielsweise der tägliche Gebrauch von Zahnseide oder Interdentalbürsten, um die Zahnzwischenräume von Belägen zu befreien. Die Reinigung der Zunge mit einem Zungenschaber darf ebenfalls nicht vergessen werden. Ausreichendes Trinken sowie zuckerfreie Kaugummis oder Bonbons regen die Speichelproduktion an, was einem trockenen Mund vorbeugt. Unterstützend können Chlorophyll-Dragees aus der Apotheke Stoffwechselprozesse beeinflussen und somit von innen heraus wirkungsvoll Gerüche bekämpfen. Dies empfiehlt sich besonders, wenn eine länger währende Therapie notwenig ist, um Schritt für Schritt alle Ursachen der Gerüche zu beseitigen. Mit Hilfe der Dragees können sich diese Patienten auch in der Übergangszeit sicherer im Alltag fühlen.

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