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Der überempfindliche Zahnhals – effektive und dauerhafte Abhilfe

Der an sich gesunde Zahn kann auf eine Reihe von bestimmten äußeren Reizen (Süßes, Saures, Kaltes, Heißes und Berührung) hin einen dem Zeitraum der Reizeinwirkung entsprechend anhaltenden, unter Umständen sogar, extrem unangenehmen Schmerz fühlbar werden lassen. Der Grund für diesen – zahnmedizinisch als Sensation bezeichneten – Schmerzreiz ist das Vorhandensein freiliegender und dabei zum Zahnmark hin offener Dentinkanälchen.

Dr. Markus Th. Firla

Ursache und Auswirkung

Im Rahmen der wissenschaftlichen Bemühungen, zahnmedizinische Behandlungen in ihrer Wirkung eindeutig erklärbar und – von besonderem Interesse in ihrer helfenden Auswirkung – auch zuverlässig vorhersagbar zu machen (was als evidenzbasierte Zahnheilkunde bezeichnet werden kann), ist es heutzutage unumstritten, dass der Erfolg der Therapie hypersensibler Zähne im dauerhaften Verschluss dieser offenen Dentinkanälchen liegt. Diese Erkenntnis führte insbesondere in den letzten Jahren zu dem Bestreben, nicht nur die Schmerzen mit sich bringenden Symptome der freiliegenden und offenen Zahnbeintubuli auszuschalten, sondern vor allem dem Entstehen derartig beeinträchtigter Dentinkanälchen aktiv vorzubeugen.

Lässt sich dem natürlichen, nicht entzündungsbedingten Zurückweichen von gesundem Zahnfleisch mit zunehmendem Lebensalter nichts entgegenbringen, so kann dem Schwinden des knöchernen und gingivalen Gewebes durchaus Paroli geboten werden, wenn eine diese Hart- und Weichgewebe zerstörende Parodontitis durch entsprechende häusliche Mundhygienemaßnahmen erst gar nicht zustande kommt oder durch professionelle zahnmedizinische Leistungen (PZR und Systematische Parodontaltherapie) verhindert, respektive beseitigt wird. In diesem Zusammenhang darf nicht außer achtgelassen werden, dass durchaus auch eine das Zahnfleisch mechanisch zu beanspruchende Zahnputztechnik einen solchen Rückgang des Weichgewebeschutzes hervorrufen kann. Gesellt sich zu einer derartigen, die Gingiva des Zahnhalsbereiches schädigend beeinflussenden Putztechnik noch der Einsatz von Zahncremes, die durch bestimmte Inhaltsstoffe das Zahnbein in seiner Gesamtheit (z. B. durch zu abrasive Partikel) abtragen oder die Dentintubuli an der Zahnoberfläche ihrer natürlicherweise bestehenden „Smear-Layer“-Pfropfen berauben (z. B. durch waschmittelgleiche Zusätze wie Natrium-Lauryl-Sulfat, im Englischen auch Sodium-Lauryl-Sulphate, SLS, genannt), dann ist das Auftreten von mehr oder wenig deutlich schmerhaften Zahnhalsüberempfindlichkeiten nahezu als feststehende Auswirkung anzusehen.

Praktisch bewährte Subtanzen

Gerade der zahnärztliche Ansatz, im täglichen Einsatz der häuslichen Mundhygienemaßnahmen des Patienten – auf die klinische Erfahrung zurückschauend – bewiesenermaßen wirksame Subtanzen verwendet zu wissen, legt die Empfehlung von Zahncremes, welche Strontiumsalze oder Kaliumsalze enthalten, nahe. Strontiumsalze führen zu – mikroskopisch – deutlich feststellbaren Ausfällungen auf der Dentinoberfläche, die zu einer sich aufsummierenden Verstopfung der Dentintubuli führen, wodurch die Reizweiterleitung zur Pulpa gehemmt und der Schmerz gedämpft wird. Kaliumsalze bewirken eine andauernde Depolarisierung der von der Pulpa ausgehenden Nervenzellenfortsätze in den Zahnbeinkanälchen selbst. Diese Wirkung im Inneren des Zahnes ist insofern von wesentlicher Bedeutung, als dass diese Wirkung in der Folge nicht mehr von äußeren Einflüssen gemindert wird, wie beispielsweise der Verschluss der offenen Dentintubuli stets „Säureangriffen“ aus der Nahrung oder einem „Wegputzen“ unterliegt.

Amin- und Natriumfluoride alleine, die seit langem zweifelsfrei klinisch bestätigt zwar sehr gut zur Unterstützung des Schutzes der Zahnhartsubstanz gegen Karies, Erosion und Abrasion beitragen, sind zur Beseitigung der bestehenden Zahnhalsüberempfindlichkeit allerdings eher weniger angebracht. Dies erklärt sich insbesondere durch die deutlichen Unterschiede der mikroskopischen Struktur von Zahnschmelz und Dentin. Arginin-Kalziumkarbonat-Verbindungen enthaltende Zahncremes müssen ihre auf diese Inhaltsstoffe basierende Wirksamkeit hinsichtlich einer langfristig dauerhaften Desensibilisierung hypersensitiver Zahnbeinbereiche erst noch unter Beweis stellen. Von einer Verwendung mit langjähriger guter klinischer Erfahrung kann derzeit aufgrund der noch nicht lange auf dem Dentalmarkt sich befindenden derartigen Produkte noch nicht die Rede sein.

Bedeutung der häuslichen Zahnpflege

Der über eine Zahnhalsempfindlichkeit klagende Patient sollte dahingehend bestärkt werden, dass sowohl die beste vorbeugende als auch – nach Ansicht und klinischer Erfahrung des Autors – die beste, bestehende Sensationen lang anhaltend beseitigende Gegenmaßnahme die konsequente Verwendung von Zahncremes mit speziellen Inhaltsstoffen bei der täglichen Zahnpflege darstellt.

Produkte wie beispielsweise, Sensodyne® F und Sensodyne® MultiCare (beide mit einem Kaliumsalz-Zusatz zur Beruhigung des Zahnnervs) oder das neue Sensodyne® Rapid (mit Strontiumsalz zum Verschluss der offenen Dentintubuli) eignen sich hierbei nicht nur für die gezielte Ausschaltung der Zahnbein- Hypersensitivität, sondern können auch für die tägliche Komplett-Pfege aller Zähne eingesetzt werden. Gerade nach umfangreichen Oberfächenreinigungen natürlicher Zähne im Rahmen einer prophylaktischen professionellen Zahnreinigung (PZR), initialer Zahnbettbehandlungen oder systematischer PA-Therapien ist der Gebrauch Strontium oder Kalium enthaltender Zahncremes mit niedrigen RDA-Werten von großem Nutzen für den Patienten. Zum einen kann durch den gezielten Einsatz dieser Produkte nach solchen Maßnahmen einer Zahnhalsüberempfindlichkeit von sogar mehreren Zähnen recht einfach vorgebeugt werden. Zum anderen lassen sich Zahnbein- Hypersensitivitäten so effektiv beseitigen, ohne dass der Patient sich unter Umständen mehrmals in der Praxis einfinden muss, um in der Durchführung unangenehme und komplizierte – für ihn und Behandler gleichermaßen zeitraubende und Kosten verursachende – Überemppfindlichkeitsbehandlungen an den Zähnen vornehmen lassen zu müssen. So bleibt der „Spaß“ an vorsorglichen Zahnbehandlungen für beide Seiten sicherlich erhalten!

 

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