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Stress - Symptom einer modernen Leistungsgesellschaft

Unsere Arbeitswelt hat sich stark verändert. Mehr Hektik, Zeitdruck, Ärger im Team und die Angst den Arbeitsplatz zu verlieren. Schnell entstehen krankmachende Stresssituationen. Neben den persönlichen Schicksalen ist der Schaden durch arbeitsbedingten Stress beträchtlich.

Robert Hoffmann

Stress vereinfacht dargestellt, ist vor allem die individuelle Reaktion auf bestimmte äußere Reize und eigentlich ein ganz normaler Vorgang. Wir reagieren in einer Gefahrensituation mit Stress. Infolgedessen schlägt unser Herz schneller, Muskeln und Gehirn werden mit mehr sauerstoffreichem Blut versorgt, das Nervensystem wird angekurbelt und bestimmte Hormone werden ausgeschüttet. Dies ermöglicht uns bei Gefahr entsprechend zu handeln, beispielsweise durch Flucht oder erhöhte Angriffsbereitschaft. Diese Anpassung an Stressoren dient somit unserem Schutz. Der negative Stress ist aber von positivem Stress zu unterscheiden. Wenn wir uns einer sportlichen Herausforderung aussetzen, empfinden wir dies trotz körperlicher Anstrengung als angenehm, erholen uns aber auch schnell wieder davon. Problematisch wird es, wenn äußere negative Reize zum Dauerzustand werden. Beispielsweise durch eine ständig erhöhte Arbeitsbelastung. Inwieweit solche Dauerreize jedoch krankmachend sind ist individuell verschieden, denn Stress ist ein subjektiver Zustand. Dennoch gibt es Alarmzeichen, die auf eine erhöhte Belastung hinweisen. Sie zeigen verschiedene Symptome wie Verspannungen der Muskulatur im Schultern Nacken-Bereich, häufige Rückenbeschwerden, Kopfschmerzen, Hauterkrankungen, Herzrasen, Verdauungsprobleme, Konzentrationsmangel, Erschöpfungszustand oder geringe Leistungsfähigkeit. Das Immunsystem kann gestört werden, was eine höhere Infektanfälligkeit bewirken kann. Ängste, Schlafstörungen und schlimmstenfalls Depressionen sind weitere krankhafte Formen von Dauerstress. Eine besondere Ausprägung von Stress ist das Burnout-Syndrom, dass „ausgebrannt sein“.
Erstmals verwendete 1974 der Psychoanalytiker Herbert Freudenberger den Begriff Burnout. Besonders bei Angehörigen von
„helfenden Berufen“ wie Ärzten, Krankenschwestern oder Sozialarbeitern, stellte er gehäuft Arbeitsunfähigkeit oder Frühverrentung fest. Besonders ehrgeizige und leistungswillige Menschen mit hohem Anspruch an sich selbst, neigen zum Burnout. Häufig leiden diese Menschen auch an der mangelnden Wertschätzung ihrer Arbeit. Typische Anzeichen für ein Burnout sind zum Beispiel emotionale Erschöpfung, Persönlichkeitsveränderung, Leistungsabnahme und Isolation. Unbehandelt kann es zu schweren Depressionen führen. Frauen reagieren insgesamt empfindlicher auf Stress, was auch häufig durch die zusätzliche Belastung Beruf, Kinder und Haushalt begründet ist. Neben den physischen und psychischen Belastungen für die Beschäftigten kann Stress auch für die Unternehmen gravierende Folgen haben. Häufiger Arbeitsplatzwechsel, Frühverrentung mit Folge des Verlusts von Know-how für das Unternehmen, Leistungsschwankungen der Mitarbeiter, Zunahme der Fehlerhäufigkeit oder schlechte Arbeitsergebnisse sind nur einige von vielen negativen Begleiterscheinungen.

Was sind die Gründe für Stress?
Viele Faktoren können für stressbedingte Erkrankungen verantwortlich sein. Dabei sind die Ursachen in der Arbeitswelt und im privaten Umfeld des Betroffenen zu ergründen. Der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte e.V. (VDBW) sieht für die steigende Bedeutung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz vor allem folgende Gründe: Arbeitsverdichtung mit steigenden Leistungsanforderungen, zunehmender Zeit- und Termindruck, Entwicklung neuer Arbeitsformen, insbesondere in Zusammenhang mit der Kommunikations- und Informationstechnologie, Notwendigkeit zu ständiger Anpassung an neue Arbeitsmittel, Arbeits- und Organisationsformen (lebenslanges Lernen), Wechsel der Inhalte und Rahmenbedingungen der Arbeit wie zum Beispiel Projektarbeit, befristete Arbeitsverträge, Variabilität der Arbeitszeit und Veränderung sozialer Arbeitsstrukturen durch Einzelarbeitsplätze mit sozialer Isolation (zum Beispiel Home-Office), Ansprüche an soziale Kompetenz von Vorgesetzten und Mitarbeitern, Kostendruck, der von den Mitarbeitern die Beachtung der Effizienz und Wirtschaftlichkeit des eigenen Handelns erfordert, Angst vor Arbeitsplatzverlust sowie Unvereinbarkeit von Berufs- und Privatleben durch Überlastung.

Das Management ist gefordert
Stellt sich heraus, dass stress auslösende Faktoren weniger im privaten Umfeld als vielmehr in der Arbeitswelt zu finden sind, sollten die für das Arbeitsumfeld Verantwortlichen analysieren und bewerten, ob beispielsweise folgende Stressoren als mögliche Gründe identifiziert werden können: Die äußeren Arbeitsbedingungen sind unzureichend, es besteht Termindruck ohne ausreichende Pausen und häufige Überstunden, fehlende Transparenz von Entscheidungen, Ungewissheit über die erwartete Arbeitsleistung, unzureichende Einblicke in die Betriebsabläufe, gegensätzliche Arbeitsanforderungen, Zeitdruck und Verantwortung bei geringerer Entscheidungskompetenz, Unterforderung, Monotonie, Informationsüberflutung und fehlende Kompetenz (Quelle: wichtige Stressoren am Arbeitsplatz VDBW). Kommt einer oder mehrere dieser Gründe in Betracht, so ist das Management gefordert, betriebliche Strategien zur Vermeidung bzw. Bewältigung dieser stressbedingten Arbeitsbelastung zu entwickeln.

Was wir selbst tun können
Jeder Einzelne hat darüber hinaus die Möglichkeit, ganz persönliche Strategien zur Vermeidung von Stress zu entwickeln: Ein Tagesplan mit Spielraum für Unvorhergesehenes hilft sich besser zu organisieren, auch kurze Ruhepausen sorgen für Entspannung, Gespräch mit den Vorgesetzten über Verbesserungsmöglichkeiten, eine ausgeglichene Freizeit und den Tag in Ruhe beginnen, in arbeitsintensiven Zeiten besonders viele Vitamine und Mineralstoffe zu sich nehmen, Sport und ausreichend Schlaf sorgen außerdem für körperliches und geistiges Wohlbefinden und Einteilung der Arbeitsaufgaben in angemessener Zeit. Wenn Dauerstress dennoch zu krankhaften Symptomen führt, sollte so schnell wie möglich ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Wer rechtzeitig die Gefahren ernst nimmt und die Beschwerden behandeln lässt, hat gute Chancen, die Probleme in den Griff zu bekommen.

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