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Kaffee und Herz-Kreislauf-System - Patienten müssen nicht automatisch verzichten

Kaffee und Herzgesundheit – passt das zusammen? Mehrere neue epidemiologi-sche Studien und Metaanalysen beleuchten den Einfluss von Kaffee auf das Herz-Kreislauf-System – ein Thema, das sowohl bei Medizinern als auch Laien besonderes Interesse weckt.

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Teilweise existieren irrtümlicherweise Bedenken, ob Kaffee negative Auswirkungen auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben kann. Aktuelle Studien zeigen jedoch, dass moderater Kaffeekonsum bei gesunden Menschen sogar förderlich für die Gesundheit sein kann. Darauf wies das Deutsche Grüne Kreuz nun in einer Pressemitteilung am Mittwoch hin.

Der Internist Prof. Dr. Stephan Martin, Chefarzt für Diabetologie und Direktor des West-deutschen Diabetes- und Gesundheitszentrums (WDGZ) kennt die Bedenken, aber auch die aktuelle Studienlage: „Eine generelle Warnung vor dem Kaffeekonsum, wie es früher üblich war, ist heute nicht mehr zeitgemäß".

Kaffee schützt statt schadet?

So konnten deutsche Forscher in einer jüngst im American Journal of Clinical Nutrition veröffentlichten groß angelegten Studie keinerlei Nachweis erbringen, dass der Genuss von Kaffee das Risiko für Myokardinfarkt und Schlaganfall steigert1. Möglicherweise ist sogar das Gegenteil der Fall, wie eine ebenfalls 2012 erschienene Studie mit 400.000 Teilnehmern nahe legt2. Die Forscher konnten hier einen schützenden Einfluss des Heißgetränks auf das Mortalitätsrisiko durch Herzerkrankungen und Schlaganfall finden.

In einer aktuellen Metaanalyse untersuchten Wissenschaftler den Einfluss von Kaffee auf den Blutdruck bei Hypertonikern3. Die Ergebnisse zeigen, dass der Blutdruck nach dem Konsum von Kaffee zwar kurzfristig leicht ansteigt (durchschnittlich um 8,1/5,7mmHg), einen Langzeiteffekt hingegen konnten sie nicht beobachten.

Nur bei bestimmten Risikogruppen (zum Beispiel Männer über 70 Jahren mit einem BMI unter 30 oder bei Menschen, die Koffein nur langsam abbauen) könnte bei einem sehr starken Kaffeekonsum der Blutdruck auch langfristig ansteigen4,5.

Für eine im Journal of Hypertension erschienene Metaanalyse (und Review) sichteten Forscher mehr als 600 Artikel6. Zehn plazebo-kontrollierte Untersuchungen und fünf Kohortenstudien wurden schließlich in die Arbeit einbezogen. Die Autoren konnten keinen statistisch signifikanten Einfluss von Kaffee auf den Blutdruck oder auf das Risiko für Bluthochdruck finden.

Hinsichtlich der Wirkmechanismen gibt es weiterhin Forschungsbedarf; ein wichtiger Punkt ist aber sicherlich ein möglicher Schutz vor der Entstehung eines Typ-2-Diabetes als ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Hierzu liegen inzwischen zahlreiche Studien vor1.

Kein schlechtes Gewissen beim Kaffeegenuss

Prof. Martin rät seinen Patienten: „Machen Sie sich, wenn Sie gerne eine Tasse Kaffee trinken, kein schlechtes Gewissen. Sie schädigen durch einen moderaten Kaffeekonsum sicher nicht Ihre Gesundheit, vielleicht unterstützen Sie diese sogar."

Detaillierte Auskunft über einzelne Aspekte und einen Überblick über die aktuelle wiss¬enschaftliche Literatur bietet das Deutsche Grüne Kreuz in der 70-seitigen Fachbroschüre „Kaffee – Wirkungen auf die Gesundheit" und dem Folienvortrag „Kaffee und Gesundheit: Das sagen neue Studien", die unter der Seite www.kaffee-wirkungen.de bestellt beziehungsweise heruntergeladen werden können.

Literaturquellen

1 Floegel, A. et al.: Coffee consumption and risk of chronic disease in the European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC)–Germany study; AJCN, online publiziert am 15. Februar 2012; doi: 10.3945/ajcn.111.023648.

2 Freedman, N.D. et al.: Association of Coffee Drinking with Total and Cause-Specific Mortality; New England Journal of Medicine 2012; 366:1891-904

3 Mesas, A. E. et al.: The effect of coffee on blood pressure and cardiovascular disease in hypertensive individuals: a systematic review and meta-analysis, American Journal of Clinical Nutrition, (94): 1113-1126, 2011

4 Giggey, P. P. et al.: Greater Coffee Intake in Men Is Associated With Steeper Age-Related Increases in Blood Pressure. American Journal of Hypertension (24) : 310–315, 2011

5 Palatini, P. et al.: CYP1A2 genotype modifies the association between coffee intake and the risk of hypertension. Journal of Hypertension 27(8): 1594–1601, 2009

6 Steffen, M. et al.: The effect of coffee consumption on blood pressure and the development of hypertension: a systematic review and meta-analysis, Journal of Hypertension, online publiziert am 25.7.2012, DOI:10.1097/HJH.0b013e3283588d73

www.kaffee-wirkungen.de

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